Literatur zu Carl Baumann

Randi Crott

"Man kann als Künstler doch nur dann wirklich den eigenen Weg finden, wenn man eine drängende, treibende, neidende und verherrlichende Öffentlichkeit meidet."

 

 

Carl Baumann

Es ist das Bild eines jungen Mannes im Aufbruch: Anfang 1935 malt der 22jährige Carl Baumann in der Abgeschiedenheit der Brantenberger Mühle bei Hagen wie ein Besessener. Das halbverfallene Haus, das in den zwanziger Jahren das Vereinsheim des Arbeiter-Abstinentenbundes gewesen war, hat er sich notdürftig als Atelier hergerichtet. Er arbeitet fast rund um die Uhr und vergisst vor lauter Freude an der eigenen Kreativität das Essen. Nach einem halben Jahr ist er völlig entkräftet und unterernährt. Freunde bringen ihn erst mal ins Krankenhaus.

Die Eltern - ohnehin nicht gerade begeistert über die künstlerischen Ambitionen des Sohnes - sind beunruhigt. Denn Carl soll eigentlich das Geschäft seines Vaters, des Malermeisters Karl Baumann, übernehmen.

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Petra Holtmann

Der Weg vom Handwerk zur Kunst
führt über die Kunst am Bau

 

"Die Architektur ist bekanntlich die Mutter der Kunst. Ihr unterordnen sich Malerei und Bildhauerei, wozu auch Sgraffito gehört. Mithin ist der Architekt als Schaffender des Bauwerks stets der Spiritus rector. Dieser trägt allein die Verantwortung für die technische und vor allem für die künstlerische Gestaltung des Bauwerks", so der Architekt Leopold Ludwigs am 24. Juli 1952 an den Kunstmaler Carl Baumann.


Ludwigs, der bei Peter Behrens an der Kunstgewerbeschule Düsseldorf studierte, zitiert in seinem Schreiben Vitruv, der in seinem ersten der zehn Bücher zur Architektur von der Architektur als "summum templum architecturae" spricht und sie damit allen anderen Künsten überordnet. Ein Verständnis, das spätestens im 19. Jahrhundert auf prominenten Widerspruch stößt, als John Ruskin in "The Seven Lamps of Architecture"  nur zwei schöne Künste gelten lassen will: Bildhauerei und Malerei. Die Moderne schließlich beantwortet das Spannungsverhältnis zwischen Architektur und Kunst mit der Forderung, ein Gesamtkunstwerk zu schaffen. So formuliert Walter Gropius im Programm des Staatlichen Bauhauses in Weimar: "Das letzte, wenn auch ferne Ziel des Bauhauses ist das Einheitskunstwerk." Zur Erreichung dieses Ziels erstrebt das Bauhaus die Sammlung allen künstlerischen Schaffens, die Wiedervereinigung aller werkkünstlerischen Disziplinen - Bildhauerei, Malerei, Kunstgewerbe und Handwerk - zu einer neuen Baukunst als deren unablösliche Bestandteile.


1934 zeigt Carl Baumann in seiner ersten Arbeit im öffentlichen Raum, einem "ungeheuer großen" Wandgemälde in Freskotechnik in der Berufsschule in Hagen-Haspe, dieses moderne Verständnis des ganzheitlichen Miteinanders der gestaltenden Künste:

"Den Abschluß des Fresko-Gemäldes bilden nach links hin vier Gestalten, welche die Krönung und Uebergipflung des Handwerks in der Kunst darstellen; der Architekt, der im realen Leben steht und mit realen Dingen zu rechnen hat, der träumerische Maler, der poetisch versonnene Sänger und der das wechselvolle Leben spielende Darsteller mit dem Januskopf." 


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