Die rote Kapelle -

im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster

 

Kunstwerk des Monats

"Die Rote Kapelle" befindet sich im Besitz des Landesmuseums Münster und war im Juli 1991 Kunstwerk des Monats.

Rote Kapelle in der Ausstellung

Ein Essay von Siegfried Kessemeier hierzu finden Sie hier als PDF

 

Die Entstehung

1941 malt Carl Baumann in seinem Atelier in der Akademie ein Bild, das später unter dem Namen „Rote Kapelle Berlin“ sein bekanntestes werden wird.

Rote Kapelle Berlin (1941) - Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster


Es zeigt im Hintergrund eine im Bau befindliche Brücke, die Carl Baumann auf einer seiner vielen Studienausflüge nach Thüringen skizziert hatte: Die Saale-Brücke in Jena-Göschwitz. Davor malt er drei entschlossen dreinblickende Männer. Das Brückenmotiv eint alle drei und fungiert hier als Symbol. Das Bild „Rote Kapelle Berlin“ geht jedoch in seiner Bedeutung weit über den Symbolwert hinaus. Es ist Ausdruck einer Solidarität mit Menschen, die sich dem Faschismus widersetzen. Die drei dargestellten Männer sind Harro Schulze-Boysen, Walter Küchenmeister und Kurt Schumacher, die wie Bauarbeiter und Architekten vor der zu errichtenden Brücke zusammen stehen. Rechts im Hintergrund hat sich der Maler Carl Baumann selbst in das Bild eingebracht.


eine Widerstandsgruppe

Baumann gehörte zu einem Kreis von antifaschistisch eingestellten Künstlern. Während der 29jährige in seinem Atelier an dem Bild arbeitet, taucht die Gestapo auf, erkennt aber offensichtlich nicht das wahre Motiv des Kunstwerks. In diesen Wochen nehmen die Bespitzelungen der Menschen, die der Roten Kapelle nahe stehen und in irgendeiner Form für sie tätig sind, zu. Dann Ende des Sommers geht es plötzlich Schlag auf Schlag: Am 31. August wird der Offizier des Reichsluftfahrtministerium Harro Schulze-Boysen verhaftet, am 12. September der Bildhauer Kurt Schumacher, am 16. September der Journalist Walter Küchenmeister, am 17. September der Pianist Helmut Roloff und am 19. September Carl Baumann. Nur Baumann und Roloff können die Gestapo davon überzeugen, von den staatfeindlichen Aktivitäten ihrer Freunde nichts gewusst zu haben und überleben. Die anderen werden kurz nach ihrer Verhaftung in Plötzensee hingerichtet.

Der Ursprung des Namens

Ein Funker, der mit seinen Fingern Morsecodezeichen klopft, ist in der Geheimdienstsprache ein Pianist. Eine Gruppe von „Pianisten“ bildet eine „Kapelle“, und da die Morsezeichen aus Moskau kommen, ist die „Kapelle“ kommunistisch und damit rot.